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gen, diese vermaledeite Verkleidung beizubehalten. Es würde
mich nicht wundern, wenn ich an einem Hitzschlag sterbe!
 Das haben Sie jetzt davon, Madam, dass Sie den Colonel
täuschen , erwiderte Margaret vorwurfsvoll.  Gewiss würde er
Ihnen die Notlüge, sich als Dienstmädchen ausgegeben zu
haben, wohlwollend verzeihen, hätten Sie ihn nicht von Anfang
an mit Ihren Sticheleien geärgert.
 Ich kann ihm unmöglich die Wahrheit sagen , murmelte
Caroline verlegen.  Was wird er dann von mir denken?
 Wieso sollte er eine schlechte Meinung von Ihnen bekom-
men? , wunderte sich Margaret.
 Ich habe Ihnen nicht alles erzählt, was gestern zwischen ihm
und mir passiert ist.
 Hat er Sie belästigt? , fragte Margaret scharf.
 Nein, es ist nichts Ehrenrühriges geschehen , versicherte
Caroline ihr wider besseres Wissen und berichtete dann, dass er
verwirrt gewirkt und sie offenbar mit jemandem verwechselt
hatte.  In seinem Wahn hat er mich & nun, ich habe mich nicht
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gesträubt, als er mich küsste , gestand sie unbehaglich.  Natür-
lich war ich fassungslos, fand jedoch, es sei ratsamer, ihn
gewähren zu lassen, damit ich ihn in seinem Zustand nicht
reizte. Offenbar hat er etwas Tragisches erlebt , fügte sie rasch
an,  und ich wüsste gern, was das war.
 Eigentlich müsste sein Kammerdiener das wissen, aber er ist
sehr zurückhaltend, was den Colonel betrifft , sagte Margaret
bedächtig.  Ich war überrascht, als er mir gestern anvertraute,
sein Herr leide seit dem Krieg immer wieder an Fieberaus-
brüchen. Gleichviel, an Ihrer Stelle würde ich meine Neugier
bezähmen! Sie haben bereits genügend eigene Probleme und
sollten sich nicht auch noch mit denen des Colonels befassen. Im
Übrigen frage ich mich, warum Sie sich ihm nicht diskret entzo-
gen haben, als er zudringlich wurde. Ihre Argumentation
überzeugt mich nämlich nicht. Bisher haben Sie ihn veralbert
und durch nichts angedeutet, dass sich an Ihrer Meinung über
ihn etwas geändert hat.
 Ich weiß mir mein Verhalten nicht anders zu erklären, als ich
das soeben versucht habe , erwiderte Caroline ernst.  Er tat mir
leid, und außerdem hat er einen ganz anderen Eindruck auf mich
gemacht als sonst. Er wirkte wie ausgewechselt, nicht mehr so in
sich gekehrt. Wie dem auch sei, auf eine zweite Situation dieser
Art werde ich es nicht ankommen lassen. Vergessen wir die gan-
ze Sache!
 Ich bin mir nicht sicher, ob er das tun wird , murmelte Mar-
garet skeptisch.
 Er wird mich nicht mit dieser angeblichen Magd in Ver-
bindung bringen, vorausgesetzt, er sieht mich nicht ohne die
Verkleidung, die ich jetzt leider bis zum Ende der Reise tragen
muss , erwiderte Caroline seufzend.  Mir ist viel zu warm darin.
Ich werde den zweiten Unterrock nicht mehr anziehen. Es dürfte
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dem Colonel kaum auffallen, dass ich plötzlich etwas schlanker
geworden bin.
Es wurde von Tag zu Tag wärmer, und Caroline litt in den
dunklen Sachen sehr unter der Hitze. Sie hatte mehrfach erwo-
gen, dem Colonel die Wahrheit über sich zu sagen, den
Gedanken indes stets verworfen.
Nachdem man in Doncaster im  Goldenen Löwen eingetrof-
fen war und die dort reservierten Zimmer bezogen hatte, nahm
Caroline ein erfrischendes Bad und aß mit ihrer Zofe zu Abend.
Danach begab sie sich zeitig zu Bett, schlief aufgrund der sticki-
gen Luft im Zimmer jedoch sehr schlecht. Als sie erwachte, sah
sie das Licht der Morgensonne durch die Fenstervorhänge drin-
gen und befürchtete, einen weiteren beschwerlichen Tag vor sich
zu haben. Ihr fiel ein, dass man am Abend zuvor unweit des
Gasthauses an einem Fluss entlanggefahren war, und sie ver-
mochte der Versuchung nicht zu widerstehen, das Gewässer
aufzusuchen und sich in seinen kühlenden Fluten zu erfrischen.
Sie vergewisserte sich, dass Maggie noch schlief, stand rasch
auf und kleidete sich an, verzichtete jedoch darauf, sich den
Ainderby-Kelch und das schützende Kissen umzubinden. Leise
schob sie den Lederbehälter unter das Bett der Zofe, nahm zur
Vorsicht ihren Hut an sich, dazu ein Stück Seife und ein
Handtuch und huschte aus dem Zimmer.
Glücklicherweise begegnete niemand ihr auf dem Weg ins
Freie. Zufrieden strebte sie zum Fluss und entdeckte entzückt
eine kleine Bucht, wo sie, durch das hohe Gebüsch sämtlichen
Blicken entzogen, baden konnte. Flink legte sie die Sachen ab,
deponierte sie zwischen zwei Sträuchern und lief ins Wasser.
Eine Weile vergnügte Caroline sich in den Wellen, schwamm
schließlich zurück zum Ufer und blieb im flachen Wasser stehen.
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Begeistert bespritzte sie sich, warf den Kopf in den Nacken und
genoss das Gefühl des warmen Sonnenscheins auf der Haut.
Nach dem Erwachen hatte John das Bedürfnis verspürt, schwim-
men zu gehen, und sich an die Stelle im Fluss erinnert, wo er
früher, wenn er in Doncaster gewesen war, gebadet hatte. Er zog
sich an, nahm ein Handtuch an sich und verließ das Gasthaus.
Zielsicher strebte er zu der kleinen Bucht, hörte unvermittelt ein
Plantschen und blieb überrascht stehen. Er lauschte eine Weile
und zwängte sich dann neugierig durch die Sträucher.
Beim Anblick der bezaubernden Frau, die sich vollkommen
entblößt im Wasser amüsierte, hielt er wie angewurzelt inne,
nicht fähig, die Augen von ihr zu wenden. Erst nach einer Weile
wurde er sich bewusst, wie unschicklich sein Verhalten war.
Schon im Begriff, sich zurückzuziehen, wurde er stutzig und star-
rte das im Morgenlicht glänzende nasse Haar des überaus reiz-
voll gewachsenen Geschöpfs an. Er wähnte, ein Trugbild vor sich
zu haben, denn es handelte sich zweifellos um die Magd, die er
in Buckden in sein Zimmer gezogen hatte. Verblüfft beobachtete
er sie und sagte sich, es sei ausgeschlossen, ein und dieselbe Per-
son vor sich zu haben, da der Ort ungefähr einhundert Meilen
südlich lag. Die Ähnlichkeit mit dem Hausmädchen war indes so
frappierend, dass er mehr und mehr zur Gewissheit gelangte,
sich nicht zu irren. Er konnte sich die Anwesenheit der Frau je-
doch nicht erklären, es sei denn, Mrs. Duval hatte recht mit der
Behauptung, verfolgt zu werden.
Plötzlich bemerkte er, dass die Frau wie gelähmt in seine
Richtung schaute. Da sie ihn offenbar gesehen hatte, rief er ihr
zu:  Seien Sie unbesorgt, Miss. Es tut mir leid, dass ich Sie
gestört habe.
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 Verschwinden Sie! , erwiderte Caroline, tauchte hastig ins
Wasser und bemühte sich, ihre Blöße mit den Händen zu
bedecken.
 Ich versichere Ihnen, dass ich keine bösen Absichten habe.
Aber ich möchte, dass Sie mir eine Frage beantworten.
 Nein! , weigerte sich Caroline.  Gehen Sie endlich!
 Wo sind Ihre Sachen? Ich werde sie Ihnen bringen und mich
umdrehen, damit Sie sich anziehen können. Ah, da sind sie ja ,
fügte er hinzu, als er sie einige Schritte von sich entfernt auf der
Erde liegen sah. Rasch zwängte er sich durch das Gebüsch, um
sie aufzuheben, und meinte erneut, den Augen nicht trauen zu
können.  Das sind nicht Ihre Kleidungsstücke! , äußerte er ver-
wundert.  Sie gehören jemand anderem. Ich finde, jetzt sind Sie
mir eine Erklärung dafür schuldig, wie sie in Ihre Hände gelangt
sind!
Verstört beobachtete Caroline ihn und überlegte, was sie ant-
worten solle. Sie wurde sich gewahr, dass sie dem Colonel nun
die Wahrheit über sich gestehen musste, obwohl er sie offenbar
nicht erkannt hatte, für jemand anderen hielt und vermutete, sie
habe die Garderobe gestohlen. Möglicherweise verfiel er auf den
Gedanken, sie wegen Diebstahls belangen zu lassen. Die Vorstel-
lung, dass sie verhaftet werden könne, weil sie angeblich ihre ei-
genen Sachen entwendet hatte, amüsierte sie dermaßen, dass sie
ihrer Erheiterung freien Lauf ließ und belustigt registrierte, wie
konsterniert Colonel Ancroft sie anstarrte. Als er sich jedoch mit
ihrer Kleidung über dem Arm dem Wasser näherte, rief sie ihm
beschwörend zu:  Nein, bleiben Sie, wo Sie sind. Es reicht, wenn
Sie mir die Handtücher und die Chemisette zuwerfen und sich
diskret umdrehen, damit ich an Land kommen kann. [ Pobierz całość w formacie PDF ]

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